Die vietnamesische Kampfkunst Die vietnamesische Kampfkunst ist nicht eine Methode neuer Art, um auf ein modernes Bedürfnis zu antworten, und auch nicht die Erfindung eines einzelnen, sondern vielmehr das Werk eines ganzen Volkes, das im Laufe seiner Geschichte immer ums Überleben kämpfen musste.
An einem strategischen Punkt Süd-Ost-Asiens gelegen, ist Vietnam Wiege einer Zivilisation mit einer fast fünftausend Jahre alten Geschichte, im Laufe derer das vietnamesische Volk mit einer ausserordentlichen Lebenskraft seinen Geist und seine Kultur formte. Im Laufe dieser langen Geschichte belebte die vietnamesische Kampfkunst dieses kämpferische Volk.
Der Herrscher HUNG VUONG gilt als Begründer der vietnamesischen Kampfkunst; tatsächlich fand unter der HUNG-VUONG-Dynastie (2879 – 258 a. C.) die Strukturierung der vietnamesischen Kampfkunst wie auch der traditionellen Medizin und der Philosophie statt. Einst schlicht „VO“ genannt, enthüllte die vietnamesische Kampfkunst seine Tiefe und seinen Reichtum nur im familiären Umfeld, unter äusserst strengen Bestimmungen und einer fast absoluten Geheimhaltung. Trotz der Geheimhaltung kennt die vietnamesische Geschichte zwei Perioden der Verbreitung der vietnamesischen Kampfkunst:
- das erste Mal unter der Dynastie LY (1009 -1400)
- das zweite Mal unter dem berühmten Herrscher QUANG TRUNG (1788 -1792)
Zwei Mal hatte die vietnamesische Kampfkunst im staatlichen Unterricht solch einen wichtigen Platz inne wie die Literatur. Die Titel „diplomiert in Kampfkünsten“ und „doktoriert in Kampfkünsten“ wurden gleichzeitig mit der königlichen Universität der Kampfkünste (GIAN VO DUONG) geschaffen. Jene zwei geschichtlichen Perioden gehören zu den ruhmreichsten und glänzendsten der vietnamesischen Geschichte.
Leider wurde unter der jüngsten Dynastie der NGUYEN (1802 – 1945) – einer schwachen und bedeutungslosen Dynastie – die vietnamesische Kampfkunst verboten und verschwand an dem Punkt als die Jungen sogar von ihrer Existenz nichts wussten. Trotzdem wurde das Training illegal im Geheimen in den „MON PHAI“ (geheime Gesellschaften, Schulen) weitergeführt. Diese Situation verursachte die Entwicklung von unterschiedlichen Strömungen (Strömung des Nordens, der Mitte und des Südens). Die bekanntesten sind diejenigen von BAC NINH, QUANG NINH, und BINH DINH. In der gleichen Zeit kamen in Süd-Vietnam chinesische, von der T’SING-Dynastie (chinesische, von den Mantschu kontrollierte Dynastie) vertriebene Flüchtlingsgruppen an, die einige chinesische Kampfkunst-Strömungen brachten.
Man musste bis 1945 - als die Unabhängigkeit Vietnams ausgerufen wurde - warten, damit die vietnamesische Kampfkunst von Neuem eingeführt werden konnte.
Die chinesische Kampfkunst Maître CHAU QUAN KY gehörte dem Volk der HAKKA an, die im Wesentlichen in Süd-China leben.
Die HAKKA betreiben den sehr berühmten Stil THIEU LAM NGA MI PHAI (SHAO LIN E MAI PAI)* und ursprünglich die Gottesanbeterin-Methode CHAU GIA DUONG LANG PHAI (ZHU JIA TANG LANG PAI)*, die Hand-Techniken, begleitet von sehr schnellen Stellungswechseln und vom Ausweichen, bevorzugt. Diese Techniken bewahren trotz allem die Besonderheiten der örtlichen Methoden und nur die grossen Lehrer sichern die Weitergabe dieser Eigenarten.
* die eigentlichen Namen sind auf Vietnamesisch (QUOC NGU) und in Klammern auf Chinesisch (PIN YIN) geschrieben |
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